BIKU erwirkt die Herausgabe der Verkehrszahlen 2009 PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 22:08 Uhr

Durchgangsverkehr nur 10,3 % (statt 83% in den Planungsunterlagen)!

Die BIKU hat sich seit Februar intensiv bemüht, das Ergebnis der Verkehrszählung aus Juni 2009 zu erhalten. Selbst Politiker aus Gemeinde, Landtag und Bundestag haben sich darum bemüht. Diesen wurden die Zahlen vorenthalten, warum auch immer. Durch Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz, aber erst nach dem Einschalten des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, haben wir es nun geschafft. Am 30. Juni 2010 hat uns der Landesbetrieb Straßenbau NRW endlich entsprechende Zahlen zugeschickt. Die Zahlen haben wir rechtzeitig vor der Gemeinderatssitzung am 08. Juli 2010 an die Gemeindevertreter und die Parteien weitergeleitet.

 

Im Jahr 2005 wurde die Ortsumgehung Herbern vom Regionalrat unter anderem aufgrund eines angeblich 83%igen Anteils an Durchgangsverkehr auf Platz 3 der Prioritätenliste eingestuft (vormals ca. Platz 40) und somit der Bau der OU als besonders dringlich empfohlen. Eine Einstufung, die wir schon immer bezweifelt haben.

Am 23. Juni 2009 fand eine Verkehrszählung im Rahmen des Planungsverfahrens statt, die den Verkehr an 6 Messpunkten von 6-11 Uhr, 12-14 Uhr und 15-19 Uhr erfasst hat. Dabei wurden lt. Straßen.NRW auch Teile der Nummernschilder erfasst, um den tatsächlichen Durchgangsverkehr ermitteln zu können. Außerdem wurden s.g. Knotenstromerhebungen durchgeführt (von 15-19 Uhr, an 4 Messstellen, je 15 Minuten pro Fahrzeugtyp und Strom). Die Zählmethode ist daher viel genauer als bei allen Zählungen vorher. Bei den regulären Zählungen werden nur Strichlisten geführt, es wird nur von 7-9 Uhr und 15-18 Uhr gezählt und auch nicht an mehreren Messstellen gleichzeitig.

Berechnung des Gesamtverkehrs:
In den Karten (siehe hier) steht an den Messpunkten jeweils die Summe des Einwärts- und des Auswärtsverkehrs (zum Vergrößern auf das Bild klicken; siehe rote Pfeile). Summiert man alle Messstellen, kommt man auf 12.281 gezählte Fahrzeugbewegungen im Messzeitraum. Wir müssen jedoch zwischen Fahrzeugbewegungen und Fahrzeugen unterscheiden, da der Durchgangsverkehr in den Karten doppelt erfasst wurde, an einer Messstelle als Eingangsverkehr und an einer anderen Messstelle als Ausgangsverkehr (Beispiel: Jemand fährt zwischen 6 und 11 Uhr an KV5 in den Ort und verlässt ihn sofort wieder an KV4. Dann ist er sowohl in den 340 an KV5 enthalten, wie auch in den 303 an KV4 (siehe grüne Kreise).

Zu den 12.281 müsste man normalerweise noch den innerörtlichen Binnenverkehr addieren, da er eine starke Belastung des Ortskerns darstellt und an keiner Messstelle erfasst wurde (Einkaufen, Schule, Kindergarten, Sportplatz etc.). Darauf verzichten wir jetzt aber.

Berechnung des Durchgangsverkehrs:
In den Karten sind neben den geraden, mehr oder weniger dicken Verbindungslinien der Messstellen die absoluten Zahlen des Durchgangsverkehrs zu sehen (zum Vergrößern auf das Bild klicken; siehe rote Pfeile). Summiert man all diese Zahlen neben den Verbindungslinien, kommt man auf einen Durchgangsverkehr von 1.143 Fahrzeugen in 11 Stunden. Da die fehlenden 13 Stunden eher zu den Verkehrsschwachen zählen, kommen wir auf geschätzte 1.800 Fahrzeuge in 24 Stunden, die die OU maximal nutzen könnten. In der IGVP 2005 ist man noch von bis zu 11.000 Fahrzeugen täglich ausgegangen, die die OU nutzen würden. Vorsichtig ausgedrückt hat man sich in den Entscheidungsunterlagen 2005 also um mindestens ~600% "verschätzt".

Berechnung des Quell-/Zielverkehrs:
Während der Quell- und Zielverkehr an jeder Messstelle nur einmal gezählt wurde, ist der Durchgangsverkehr wie schon beschrieben doppelt gezählt worden. Dadurch gingen die 1.143 Fahrzeuge des Durchgangsverkehrs mit insgesamt 2.286 Fahrzeugbewegungen doppelt in die Gesamtzahl ein. Im Messzeitraum von 11 Std. gab es also 12.281 – 2.286 = 9.995 Fahrzeuge als Quell- und Zielverkehr. Es gab also im Messzeitraum insgesamt 11.138 Fahrzeuge (9.995 Quell-/Ziel- plus 1.143 Durchgangsverkehr). Das ergibt einen Anteil von 10,3% Durchgangsverkehr. Die IGVP 2005 ist noch von 83% ausgegangen. Die unterschiedliche Betrachtung von 11 Std. und 24 Std. spielt bei der Angabe von Prozenten keine Rolle. Für unseren Versuch im Oktober 2009 den Durchgangsverkehr zu berechnen wurden wir belächelt und kritisiert, damals lagen wir mit unseren 15% aber sogar noch höher. Würde man den oben erwähnten Binnenverkehr auch noch berücksichtigen, läge der Nutzungsgrad der OU deutlich unter 10%.

Keine Lärmreduzierung zu erwarten:
Würde tatsächlich jedes einzelne Fahrzeug, das zum Durchgangsverkehr von 10,3% gehört auch die Ortsumgehung nutzen, würde das aufgrund der logarithmischen Lärmberechnung gerade mal einen Rückgang des Verkehrslärms von ca. 0,25 dB(A) im Tagesdurchschnitt bedeuten, ohne Betrachtung des Binnenverkehrs (siehe hier, Bild 2.1). Das wäre eine fast nicht wahrzunehmende Veränderung. Eine Ost-OU würde hingegen eine völlig neue und daher deutlich wahrnehmbare Lärmquelle und Belastung für die Anwohner darstellen. Die Lärmauswirkungen einer West-OU sind schwerer einzuschätzen, da sicherlich die Autobahn eine dominantere Lärmquelle darstellt. Allerdings würde der geplante Lärmschutzwall zwischen Autobahn und OU die Geräusche der West-OU in Richtung Ortskern reflektieren.

Derzeit laufen unsererseits Anfragen, ob es nicht sinnvoller und möglich ist, einen Teil des eingeplanten Fördergeldes für eine Verkehrsberuhigung umzulenken. Diese Maßnahmen wären deutlich günstiger als die OU und würden eine Lärmreduzierung von ~8 dB(A) bringen (siehe  hier). Das wäre genau so viel wie eine 83%ige Verkehrsreduzierung des Ortskerns mit dem heutigen Asphalt (siehe hier, Bild 2.1).

 

Wenn die OU erst einmal fertig ist und nicht die erwartete Entlastung bringt, wird es vermutlich schwierig sein erneut Mittel zu bekommen, um den Ort dann doch noch zu beruhigen.

Wir fordern daher alle Entscheidungsträger auf, sich gegen die Ortsumgehung auszusprechen und sich ggf. für eine Verkehrsberuhigung einzusetzen.

Hier ist eine Abhandlung des BUND über Umgehungsstraßen und warum sie in den meisten Fällen überflüssig sind.

 

 
Leserbrief an die Presse (WN, RN, WA) vom 30.04.2010 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hawighorst   
Freitag, den 07. Mai 2010 um 08:52 Uhr

Anmerkung:

In den Ruhrnachrichten wurden die roten Textteile nicht wiedergegeben.

In den Westfälischen Nachrichten wurde der Text nur unwesentlich verändert.

 

Alle 5 Jahre wieder ...
... sitzen an Deutschlands Straßen fleißige Personen und zählen den Verkehr. So auch letzte Woche in Herbern.
Doch was bringt so eine Zählung, wenn nur zu den Stoßzeiten gezählt wird (von 7:00 bis 9:00 Uhr und von 15:00 bis 18:00 Uhr)? Können Rückschlüsse auf die tatsächliche Verkehrsbelastung gezogen werden, wenn nicht gleichzeitig an mehreren Stellen in Herbern gezählt wird? Kann der tatsächliche Anteil des Durchgangsverkehrs ermittelt werden, wenn "nur" Strichlisten gemacht werden? Wie viele Herberner waren Innerorts unterwegs und wurden gleich mehrfach gezählt, weil die Zählstelle nicht am Ortseingang, sondern in Höhe des Kriegerdenkmals lag und jemand mehrfach dort vorbei musste (Einkauf, Tankstelle, Schule, Sportplatz)?
Durfte solch eine Zählung im Jahr 2000 Grundlage für die Entscheidung zum Einstieg in die weitere Planung der Ortsumgehung sein? Und wodurch kam es, dass dem Regionalrat im Jahr 2005 ausgerechnet zu dieser Entscheidungsfindung eine doppelt so hohe Verkehrsbelastung wie 2004 dargestellt wurde (beide Darstellungen beruhen auf der selben 2000er Zählung)? Die routinemäßige Verkehrszählung im Jahr 2005 hat diese Verdoppelung jedenfalls nicht bestätigt, sondern lag auf dem Niveau wie 2000.
Sollte hier eine Ortsumgehung durchgeboxt werden, weil gerade ein Förderpaket des Landes NRW aufgelegt wurde? Dazu würde dann auch die falsche Beschreibung der jetzigen Ortsdurchfahrt passen. Diese wurde nämlich dem Regionalrat zur Entscheidungsfindung so dargestellt, als wenn der gesamte Verkehr über die Südstraße gehen würde.
Wird sich denn die Lärm- und Gefahrensituation durch die OU für ganz Herbern verbessern? Nein, denn hier wird am eigentlichen Sinn einer Ortsumgehung, der Beruhigung des Ortskerns, vorbei geplant. Selbst eine 50%ige Verkehrsreduzierung würde den Lärm gerade einmal um 3 dB(A) im Tagesdurchschnitt reduzieren. Demgegenüber könnte eine neue Lärmquelle von bis zu 64 dB(A) 100m hinter meinem Haus entstehen (Variante 3). Es würde im Ort immer noch keine sicheren, weil baulich getrennten Radwege geben und es dürfte immer noch mit 50 km/h durch das Dorf gefahren werden. Demgegenüber ist in den Planungsunterlagen sogar von fünfstelligen Mehrkosten pro Jahr für Unfälle mit Personenschäden durch die OU die Rede.
Da ich alleine keine Chance habe, diese Verlagerung von Lärm und Gefahren zu verhindern, engagiere ich mich in der BIKU. Dieser Leserbrief ist jedoch privat und nicht mit den anderen Mitgliedern abgestimmt.

 

Autor: Wolfgang Hawighorst

 
Informationen zum Download PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 04. Mai 2010 um 09:14 Uhr

Wir haben hier umfangreiche Informationen für Sie zusammengestellt. Diese können Sie sich runter laden, ausdrucken und auch gerne weitergeben. Klicken Sie einfach auf das Bild:

 
Verkehrszählung 2010 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Hawighorst   
Montag, den 26. April 2010 um 18:45 Uhr

Mit dem Titel "Verkehrszählung gibt wichtige Erkenntnisse" ist heute ein Beitrag in den Ruhrnachrichten erschienen. Ich frage mich jedoch, welche wichtigen Erkenntnisse eine Zählung bringt, die nur an einer einzigen Stelle in Herbern durchgeführt wird?

Ich habe mich mit den Damen, die die Zählung durchgeführt haben, kurz unterhalten und mir angesehen, wie und was gezählt wurde. Die Damen haben ihren Job regelkonform gemacht, jedoch ist die Frage, welche Aussagekraft diese Zählung hat.

Es wurde am Donnerstag, 22.04.2010, von 6:00 bis 9:00 Uhr gezählt und wieder von 15:00 bis 18:00 Uhr, ebenso am Freitag. Also zu den Stoßzeiten. Am Sonntag wurde lt. Ruhrnachrichten auch gezählt.

Gezählt wurden alle Fahrzeuge, vom Mofa bis zum Lkw mit Anhänger. Eine Dame zählte den in den Ort hineinfahrenden Verkehr, die Andere den hinausfahrenden Verkehr.

Allerdings wurden nur Strichlisten geführt, keine Nummernschilder erfasst. Dadurch wurde jeder Herberner, der dort öfters vorbei gefahren ist, gleich mehrmals erfasst. Wer z.B. nur mal kurz zur Tankstelle musste oder von den Richtung Werne gelegenen Wohngebieten zum Einkaufen und zurück gefahren ist, wurde mehrmals erfasst.

Durch diese Zählmethode dürfte keine Differenzierung von Durchgangsverkehr einerseits und Ziel-/Quell-/Binnenverkehr andererseits möglich sein. Dazu müsste an allen Ortseingangsstraßen gleichzeitig gemessen werden. Außerdem müssten die Nummernschilder erfasst und mit den anderen Messstellen abgeglichen werden, damit festgestellt werden kann, wer sich wie lange in Herbern aufgehalten hat und wer binnen 1-2 Minuten nur durch den Ort gefahren ist. Eine solche Zählung würde nicht nur neue Erkenntnisse bringen, sondern ein genaues Bild der tatsächlichen Situation wiedergeben. So eine Messung von einem unabhängigen Gutachter kostet nach unseren Recherchen ca. 16.000€. Im Vergleich mit den 5,4 Mio. € für eine Ortsumgehung eine geringe Summe.

Natürlich muss das dann an einem repräsentativen Tag geschehen, nicht wie am vergangenen Freitag, als es auf der A1 zu einer Vollsperrung zwischen Ascheberg und Hamm/Bockum/Werne gekommen ist (bis 14:30 Uhr). Selbst als die Zählung um 15:00 Uhr begann, wurde der Stau noch gemeldet.

 
Pkw-Maut kommt nicht PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 16. April 2010 um 13:28 Uhr

Einem Bericht der dpa (bzw. Ruhrnachrichten, gmx) zufolge ist das Thema Pkw-Maut erst mal vom Tisch. Auch die Politiker haben erkannt, dass es durch solch eine Abgabe nicht dazu kommen darf, dass alle Ortschaften im Verkehr ersticken. Denn das wäre kein Problem das nur Herbern hätte, sondern jeder Ort - Bundesweit.

 
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